Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

Wenn der Mann zu früh kommt!

Erektionsprobleme bei Männern

Was kann ich selbst tun?

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Männer versuchen können, mehr Kontrolle über ihren Samenerguss zu bekommen. Aussagekräftige Studien zu ihrer Wirksamkeit gibt es allerdings nicht. Viele entwickeln auch eigene Techniken.
Manche Männer kommen bereits zum Höhepunkt, bevor sie ihren Penis eingeführt haben – oder kurz danach. Wenn dies fast immer passiert und zur Belastung wird, spricht man medizinisch von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).
Männer können allein oder mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner verschiedene Methoden ausprobieren, um den Samenerguss mit der Zeit besser zu steuern.

Die Drück-Methode (Squeeze-Methode)

Bei der Drück-Methode wird der Penis ebenfalls bis kurz vor dem Höhepunkt stimuliert. Dann übt man für ein paar Sekunden leichten Druck auf die Eichel aus, um die Erregung zu verringern. Dazu legt man den Zeigefinger auf die Unterseite der Eichel und den Daumen auf die Oberseite und drückt die Finger leicht zusammen. Anschließend wartet man etwa 30 Sekunden und wiederholt dies mehrere Male hintereinander.

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Beckenbodentraining

Eine weitere Möglichkeit ist ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Der Beckenboden ist die Muskelplatte, die unter anderem den Schließmuskel der Harnröhre unterstützt. Ziel des Trainings ist es zu lernen, die Muskeln des Beckenbodens willkürlich zu bewegen und durch die Übungen zu stärken.

Wie wirksam sind diese Methoden?

Wie gut diese Methoden bei vorzeitigen Samenergüssen helfen, ist nicht gut erforscht. Es gibt nur einzelne Studien, an denen jeweils weniger als 40 Paare oder Männer teilgenommen haben.

In einer kleinen Studie konnten die Start-Stopp-Methode und die Drück-Methode die Zeit bis zum Samenerguss nach zwölf Wochen Training um einige Minuten verlängern. In den Studien wurden die Methoden allerdings im Rahmen einer Sexualtherapie eingesetzt. In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Was sie bringt, wenn ein Mann sie für sich allein anwendet, ist daher unklar.

Eine weitere kleine Studie untersuchte das Beckenbodentraining. Das Training konnte die Zeit bis zum Samenerguss im Durchschnitt von einer halben Minute auf zwei Minuten verlängern.

Video Erklärung zum Vorzeitigen Samenerguss

Was Männer sonst noch ausprobieren können

Manchmal wird empfohlen, während des Sex an etwas Anderes zu denken, um sich abzulenken und dadurch den Samenerguss hinauszuzögern. Einige Männer finden dies hilfreich. Bei anderen wird dabei die Erektion aber schwächer oder verschwindet ganz. Manche Männer finden es auch unehrlich ihrer Partnerin oder ihrem Partner gegenüber, beim Sex an etwas Anderes zu denken.

Eine andere Möglichkeit ist, Kondome zu benutzen, um den Penis weniger empfindlich zu machen – sofern man dies nicht ohnehin tut. Einige Männer finden es hilfreich, vor dem Sex zu masturbieren. Wenn sie dann ein zweites Mal erregt sind und Sex haben, kommt es später zum Samenerguss. Dies setzt allerdings voraus, dass ein Mann eine zweite Erektion aufbauen kann. Man kann auch ausprobieren, ob es hilft, das Tempo beim Vorspiel zu verringern oder Pausen einzulegen.

In einer festen Partnerschaft ist es sinnvoll, offen über das Problem zu sprechen, um gemeinsam Lösungen finden zu können – auch wenn es sich um ein heikles Thema handelt.

Was bringen Medikamente?

Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Zeit bis zum Samenerguss um ein paar Minuten verlängern. Sie kommen infrage, wenn vorzeitige Samenergüsse zu einer großen Belastung für einen Mann geworden sind. Die Mittel können verschiedene Nebenwirkungen haben.

Manche Männer kommen bereits vor dem Einführen des Penis oder kurz danach zum Höhepunkt. Wenn dies fast immer der Fall ist und einen Mann belastet, spricht man von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

Zur medikamentösen Behandlung kommen Mittel zum Einnehmen und zum Auftragen auf die Penisspitze (Eichel) infrage. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlt, da sie als „Lifestyle-Medikamente“ eingestuft werden und damit nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Erstattung erfüllen.

Männer, die sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheiden, wählen meist ein Mittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Normalerweise werden SSRI eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Zur Behandlung von vorzeitigen Samenergüssen macht man sich eine ihrer Nebenwirkungen zunutze: SSRI verlängern auch die Zeit bis zum Samenerguss.

Eine Alternative sind Cremes, Gels oder Sprays, die ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie werden auf die Eichel aufgetragen und machen den Penis unempfindlicher.

Medikamente können immer auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen haben. Daher ist es sinnvoll, vor dem Beginn einer Behandlung die Ärztin oder den Arzt über andere Medikamente zu informieren, die man einnimmt. Dies gilt auch für Medikamenten-Unverträglichkeiten oder Allergien.

Welche SSRI kommen infrage?

Zur Behandlung vorzeitiger Samenergüsse ist nur das SSRI Dapoxetin zugelassen (Handelsname: Priligy). In Studien haben sich andere SSRI allerdings als wirksamer erwiesen. Dazu gehören insbesondere Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Wenn Ärztinnen und Ärzte eines dieser Mittel verschreiben, handelt es sich wegen der fehlenden Zulassung um einen sogenannten nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch („Off-Label-Use“). Dafür gelten besondere Regelungen. Auch die Einnahmehäufigkeit und Dosierung kann sich von der Behandlung bei Depressionen unterscheiden.

Dapoxetin ist nach bisherigen Forschungsergebnissen nicht nur weniger wirksam, es ist auch deutlich teurer als andere SSRI, die als Generika zur Verfügung stehen.

SSRI sind verschreibungspflichtig, werden aber zur Behandlung eines vorzeitigen Samenergusses nicht von den Kassen bezahlt – unabhängig davon, ob sie dafür zugelassen sind oder nicht.

Anwendung der Medikamente

Je nach Wirkstoff können SSRI täglich oder nach Bedarf eingenommen werden. Bei der Einnahme nach Bedarf nimmt man das Mittel einige Stunden vor dem Sex. Bei der täglichen Einnahme beginnt man mit einer niedrigeren Dosierung und steigert sie, wenn nötig, über einige Wochen. Es kann 2 bis 3 Wochen dauern, bis die volle Wirkung eintritt.

Die folgende Tabelle fasst alle Anwendungen zusammen, die sich in Studien als hilfreich erwiesen haben:


Tabelle: Anwendung von SSRI bei vorzeitigem Samenerguss

Wirkstoff

Anwendung

Dosierung

Nicht zugelassen (Off-Label-Use):
CitalopramTäglich
  • 20 mg täglich

  • Steigerung bis 60 mg pro Tag möglich
  • FluoxetinTäglich oder einmal pro Woche
  • Bei täglicher Einnahme: 10 bis 40 mg

  • Bei wöchentlicher Einnahme: 90 mg
  • ParoxetinTäglich oder nach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
  • Bei täglicher Einnahme: 20 bis 40 mg

  • Bei Einnahme nach Bedarf: 20 mg
  • SertralinTäglich oder nach Bedarf 3 bis 5 Stunden vor dem Sex
  • Bei täglicher Einnahme: 50 mg bis 200 mg

  • Bei Einnahme nach Bedarf: 50 mg
  • Zugelassen:
    DapoxetinNach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
  • Niedrige Dosis: 30 mg

  • Hohe Dosis: 60 mg
  • Welches Medikament sich eignet, hängt von der persönlichen Situation ab – zum Beispiel davon, wie häufig man Sex hat. Manche Männer möchten nicht täglich Medikamente einnehmen – auch weil Nebenwirkungen dann wahrscheinlicher werden. Andere bevorzugen die tägliche Einnahme, weil Sex nicht immer planbar ist und sie sich dann weniger Gedanken über den Zeitpunkt der Einnahme machen müssen.

    Wie wirksam sind SSRI?

    In Studien verlängerten SSRI die Zeit bis zum Samenerguss im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) um bis zu fünf Minuten. Mit 3 bis 5 Minuten waren Citalopram und Paroxetin am wirksamsten. Dapoxetin wirkte dagegen am schwächsten: Es verlängerte die Zeit bis zum Samenerguss – je nach Dosierung – um 1 bis 1,5 Minuten. Studien, in denen die Mittel direkt miteinander verglichen wurden, gibt es allerdings kaum.

    Die Studien liefern auch Hinweise darauf, dass SSRI die Kontrolle über den Samenerguss etwas verbessern und die Zufriedenheit mit dem Sex steigern können.

    Welche Nebenwirkungen sind möglich?

    SSRI können zu Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel, einem trockenen Mund und Schlafstörungen führen. Zudem können sie die sexuelle Lust dämpfen und selten Erektionsprobleme auslösen.

    Je nach Wirkstoff und Dosierung brachen bis zu 10 % der Männer die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab.

    Gelegentlich Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder keine Lust auf Sex zu haben, gehört zum normalen Alltag dazu. Wenn solche Beschwerden während der Behandlung auftreten, heißt das also nicht unbedingt, dass das Medikament dafür verantwortlich ist. Daher kann es sinnvoll sein, abzuwarten und zu schauen, ob sich die Beschwerden legen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur zu Beginn der Behandlung auf.

    Bei täglicher Einnahme sollten SSRI nicht abrupt abgesetzt werden, weil es dann zu Beschwerden wie Schlafstörungen, Übelkeit und Unruhe kommen kann. Um dies zu vermeiden, wird die Dosis über einige Wochen allmählich verringert.

    Welche Vor- und Nachteile haben Mittel zum Auftragen?

    Cremes, Gels oder Sprays mit den örtlichen Betäubungsmitteln Lidocain oder Prilocain sind eine Alternative zu SSRI. Sie werden 5 bis 20 Minuten vor dem Sex auf die Eichel aufgetragen. Dadurch lässt sich die Zeit bis zum Samenerguss um etwa 3 bis 6 Minuten verlängern.

    Örtliche Betäubungsmittel können zu Taubheitsgefühlen und Brennen auf der empfindlichen Haut der Eichel führen. Ein Nachteil der Mittel ist, dass sie beim Sex auch in die Scheide der Frau gelangen und dort zu ähnlichen Nebenwirkungen führen können. Wichtig ist deshalb, möglichst Kondome zu benutzen und mit der Partnerin über die Anwendung zu reden. Zu beachten ist außerdem: Wenn zwischen dem Auftragen der Mittel und dem Sex länger als 20 Minuten liegen, kann der Penis so taub werden, dass eine Erektion vorübergehend unmöglich wird.

    Eine Alternative sind Kondome, die bereits ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie sind in Drogeriemärkten erhältlich.

    Welche anderen Behandlungen gibt es?

    Für Männer, die gleichzeitig mit Erektionsproblemen und vorzeitigen Samenergüssen zu tun haben, kommen auch Potenzmittel infrage. Dazu gehören verschiedene Mittel aus der Gruppe der sogenannten PDE-5-Hemmer, zum Beispiel der Wirkstoff Sildenafil. Auch diese Medikamente werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

    Manchmal werden auch andere Medikamente genannt, wie das Schmerzmittel Tramadol, sogenannte trizyklische Antidepressiva oder selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Wegen möglicher Nebenwirkungen oder fehlender Wirksamkeitsnachweise wird von diesen Mitteln aber abgeraten.

    Was genau ist ein vorzeitiger Samenerguss?

    Als vorzeitigen Samenerguss (lat. Ejaculatio praecox) bezeichnet man eine sexuelle Funktionsstörung, bei der der Mann den Samenerguss sehr schnell bekommt, ohne dass ein für das Paar befriedigender Geschlechtsverkehr stattgefunden hat.

    Oftmals entsteht hierdurch eine Belastung der Partnerschaft, was häufig der Auslöser für die Konsultation eines Urologen ist.

    Wie früh ist „vorzeitig“?

    Der durchschnittliche Mann hat entgegen weitverbreiteter Vorstellungen einen Samenerguss nach etwa fünf Minuten Geschlechtsverkehr. Naturgemäß sind die individuellen Unterschiede jedoch groß.

    Das Beschwerdebild der Ejaculatio praecox ist somit eher eine subjektive Beschreibung eines regelmäßig vom Patienten oder seiner Partnerin zu früh erlebten Samenergusses. Zusätzlich berichten Patienten darüber den Zeitpunkt des Samenergusses nicht ausreichend kontrollieren zu können.

    Wie viele Männer leiden am vorzeitigen Samenerguss?

    Dass gelegentlich ein Samenerguss zu früh erfolgt ist normal und hat daher keinen krankheitswert. Hierbei können Stimmung und Anspannung in der jeweiligen Situation eine Rolle spielen.

    Ein Problem besteht erst dann, wenn die Beschwerden regelmäßig und dauerhaft auftreten. In einer 2006 veröffentlichten Studie (PEPA-Studie, Eur Urol. 2007) wurde im Rahmen einer internetbasierten wissenschaftlichen Umfrage eine Häufigkeit des vorzeitigen Samenergusses von 20% von aller befragten Männer angegeben.

    In der täglichen Praxis konsultieren jedoch wesentlich weniger Männer ihren Urologen mit dieser Fragestellung, so dass wahrscheinlich die tatsächliche Häufigkeit eines behandlungsbedürftigen vorzeitigen Samenergusses deutlich niedriger liegt.

    In welchem Alter tritt ein vorzeitiger Samenerguss auf?

    Ein vorzeitiger Samenerguss kann nach der Jugend in jedem Lebensalter auftreten. Häufig beginnen die Beschwerden jedoch mit den ersten sexuellen Erfahrungen, wobei sich die Probleme im weiteren Leben unverändert fortsetzen und unabhängig von Partner oder Situation sind.

    Was ist die Ursache für vorzeitigen Samenerguss?

    Ein vorzeitiger Samenerguss kann unterschiedliche Ursachen haben. Mediziner unterscheiden zwischen einem lebenslangen (primären) und einem erworbenen (sekundären) vorzeitigen Samenerguss.

    Bei der lebenslangen Form „kommen“ die Betroffenen bereits bei den ersten sexuellen Aktivitäten zu früh – ganz unabhängig vom Partner oder der Situation. Sie tritt wesentlich häufiger auf als die erworbene Form.

    Die erworbene Ejaculatio praecox hingegen tritt bei betroffenen Männern erst im Verlauf des Lebens auf. Im Zeitraum davor hatten sie ein normales Ejakulationsverhalten. Diese Form kann begleitend zu anderen Erkrankungen z. B. einer erektilen Dysfunktion, einer Entzündung der Prostata oder einer Funktionsstörung der Schilddrüse auftreten

    Welche Folgen hat ein vorzeitiger Samenerguss?

    Ein vorzeitiger Samenerguss kann zu einer erheblichen Belastung des Mannes, des Partners und damit der jeweiligen Beziehung werden.

    Ein vermindertes Selbstwertgefühl, Vermeidungsverhalten aber auch Stress und Anspannung können die Beschwerden verstärken und weitere Probleme, wie z.B. eine Erektionsstörung hervorrufen.

    Von rein körperlicher Seite sind keine negativen Auswirkungen zu befürchten.

    Was bewirkt ein vorzeitiger Samenerguss?

    Ein vorzeitiger Samenerguss kann zu einer erheblichen Belastung der Beziehung zwischen Mann und Frau führen. Oft hat der Mann dabei das Gefühl, wenig Befriedigung zu erleben oder den Samenerguss nicht zu spüren. Manchmal entwickeln sich so Schwierigkeiten eine Erektion zu halten oder ein Verlust von sexueller Erregung. Dies geschieht oft aus einer übergroßen Bestrebung heraus, den Samenerguss hinauszuzögern. Der Mann ist dabei so stark mit Gedanken an „Technik“ oder Vermeiden von Bewegung beschäftigt, dass der Spaß an der sexuellen Begegnung völlig verloren geht. Oft wird deshalb auch vom Mann das „Vorspiel“ extrem verkürzt, um selber nicht zu stark erregt zu werden – dies hat dann oft einen Mangel an Erregung bei der Frau zu Folge. Daraus kann dann ein schmerzhafter, unbefriedigender sexueller Kontakt für die Frau resultieren – ohne Orgasmus. In vielen Fällen hat dies dann wieder eine deutliche reduzierte Anzahl von Sexual- Kontakten zur Folge – bis hin zum völligen Verzicht.

    Welche Ursachen bewirken den vorzeitigen Samenerguss?

    Nur in wenigen Fällen liegt bei einem vorzeitigen Samenerguss eine körperliche Krankheit oder Ursache vor. In den meisten Fällen ergeben daher körperliche, sonographische und laborchemische Untersuchungen keine Auffälligkeiten.

    Wann ist ein vorzeitiger Samenerguss behandlungsbedürftig?

    Der erste Schritt eines betroffenen Mannes sollte ein offenes Gespräch mit einer Partnerin sein. Das (vermutete) Problem sollte offen thematisiert werden um zu klären, ob es für das Paar ein Problem hinsichtlich des Erlebens der gemeinsamen Sexualität darstellt.

    Sollte trotz eines schnell eintretenden Samenergusses der Geschlechtsverkehr von beiden Partnern als erfüllend erlebt werden, besteht kein Handlungsbedarf.

    Wenn sich bestätigt, dass der vorzeitige Samenerguss die gemeinsame Sexualität belastet kann eine Vorstellung beim Urologen sinnvoll sein.

    Welche Therapiemöglichkeiten bestehen?

    Auf der Suche nach Therapiemöglichkeiten sollte zunächst ein niedergelassener Urologe konsultiert werden. Hier können in einem Beratungsgespräch verschiedenen Therapieansätze erörtert werden.

    Grundsätzlich besteht in Deutschland die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie mit Dapoxetin. Das Medikament gehört zur Gruppe der Antidepressiva und ist seit 2009 in Deutschland zur Behandlung des frühzeitigen Samenergusses zugelassen. In der Zulassungsstudie wurde die Zeit bis zum Samenerguss um das ca. 3-4fache verlängert. Gleichzeitig konnte eine Verbesserung der sexuelle Zufriedenheit und eine subjektive Verbesserung der Kontrolle über die Ejakulation erreicht werden. Ob eine Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, sollte in einem Beratungsgespräch mit dem Urologen festgestellt werden.

    Einige Patienten profitieren von dem Versuch eines 2. Geschlechtsverkehr unmittelbar nach dem ersten (zu schnellen) Samenerguss. Hierbei kann die Verwendung eines erektionsfördernden Medikamentes (Sildenafil etc.) hilfreich sein. Durch den ersten Samenerguss wird die Reizschwelle teils so weit erhöht, dass der 2. Geschlechtsverkehr oftmals deutlich länger möglich ist.

    Ein weiterer sinnvoller Therapieansatz können sexuelle Stimulationstechniken (z.B.: Start-Stopp-Technik, Squeeze-Technik) sein. Hierfür kann die Überweisung an einen geschulten Psycho-/ oder Sexualtherapeuten sinnvoll sein. Insbesondere ist hier eine Beratung im Rahmen einer Paarbehandlung sinnvoll.

    Weitere Therapieansätze richten sich auf die Anwendung von lokal betäubenden Cremes, welche vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel aufgetragen werden. Dies empfiehlt sich in Kombination mit der Verwendung von Kondomen. Diese setzen zum einen die Reizschwelle weiter herauf und vermeiden zum anderen die Übertragung des Lokalanästhetikums auf die Partnerin. Sollten keine Kondome verwendet werden kann das Lokalanästhetikum auch bei der Partnerin wirken und zu Missempfindungen führen. Der Therapieerfolg dieser Methode ist erfahrungsgemäß nicht sonderlich hoch.


    Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie

    Beratender Experte

    Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology. Seit 2018 ist er Mitglied des Medizinausschusses des Wissenschaftsrates der Bundesregierung und der Bundesländer.

     

    Dr. Nadia Schendzielorz

    Medizinisch geprüft von: Dr. Nadia Schendzielorz

    Dr. Nadia Schendzielorz ist seit 2016 Apothekerin. Sie schloss ihr Studium der Pharmazie an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ab. Im Anschluss arbeitete sie an ihrer Dissertation an der Universität von Helsinki in Finnland und promovierte erfolgreich im Fachbereich Pharmakologie.

     

    Letzte Änderung: 7 September 2020

     

    Quellen:

    Literatur

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    • Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A, Wylie K et al. Behavioral Therapies for Management of Premature Ejaculation: A Systematic Review. Sex Med 2015; 3(3): 174-188.
    • Giuri S, Caselli G, Manfredi C, Rebecchi D, Granata A, Ruggiero GM et al. Cognitive Attentional Syndrome and Metacognitive Beliefs in Male Sexual Dysfunction: An Exploratory Study. Am J Mens Health 2017; 11(3): 592-599.
    • Revicki D, Howard K, Hanlon J, Mannix S, Greene A, Rothman M. Characterizing the burden of premature ejaculation from a patient and partner perspective: a multi-country qualitative analysis. Health Qual Life Outcomes 2008; 6: 33.

     

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